Eine neue Studie zeigt, dass chronische Entzündungen einen erheblichen Teil der Sterblichkeit im Alter vermitteln und dass Diabetes diesen Effekt verstärkt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung gezielter entzündungshemmender Maßnahmen.
Chronische Entzündungen gelten als zentraler Treiber des Alterns. Eine neue Studie quantifiziert nun ihren Beitrag zur Sterblichkeit und zeigt Wechselwirkungen mit Diabetes.
Chronische Entzündungen gelten seit langem als einer der Haupttreiber des Alterns. Doch wie stark sie tatsächlich zur Sterblichkeit beitragen und wie sie mit anderen Risikofaktoren wie Diabetes interagieren, war bislang unklar. Eine neue Studie, die auf dem DunedinPoAm-Ansatz basiert, liefert nun präzise Zahlen und zeigt, dass systemische Entzündungen einen erheblichen Teil der altersbedingten Sterblichkeit vermitteln.
Was ist DunedinPoAm?
DunedinPoAm ist ein epigenetischer Uhren-Ansatz, der den biologischen Alterungsprozess anhand von DNA-Methylierungsmustern misst. Er wurde von Forschern der University of Otago in Neuseeland entwickelt und ermöglicht es, das biologische Alter von Menschen zu bestimmen. In der aktuellen Studie nutzten die Wissenschaftler diesen Ansatz, um den Zusammenhang zwischen Entzündung und Sterblichkeit zu untersuchen.
Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Nature Aging, analysierte Daten von über 1.000 Teilnehmern der Dunedin-Studie, die seit den 1970er-Jahren beobachtet werden. Die Forscher maßen verschiedene Entzündungsmarker wie CRP (C-reaktives Protein) und Immunzellzahlen und setzten sie in Bezug zu Sterblichkeitsdaten.
Entzündung als wesentlicher Vermittler
Die Ergebnisse zeigen, dass chronische Entzündungen einen signifikanten Anteil der Sterblichkeit im Alter erklären. Laut den Autoren vermittelt systemische Entzündung etwa 30% des Zusammenhangs zwischen biologischem Alter und Sterblichkeit. Dieser Effekt war unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck.
Besonders bemerkenswert ist die nicht-lineare Beziehung: Die Sterblichkeit steigt erst ab einem bestimmten Schwellenwert der Entzündungsmarker deutlich an. Unterhalb dieses Schwellenwerts scheint das Risiko gering zu sein, oberhalb jedoch exponentiell zu wachsen. Diese Erkenntnis könnte bedeuten, dass eine Reduktion der Entzündung unter den Schwellenwert besonders effektiv sein könnte.
Diabetes als Verstärker
Ein weiteres zentrales Ergebnis ist die Interaktion mit Diabetes. Bei Menschen mit Diabetes war der Zusammenhang zwischen Entzündung und Sterblichkeit deutlich stärker als bei Nicht-Diabetikern. Die Forscher vermuten, dass metabolische Dysregulation die Entzündungsreaktion verstärkt und so das Sterberisiko erhöht.
„Unsere Daten zeigen, dass Entzündung und Diabetes synergistisch wirken“, erklärt Dr. Maxwell Elliott, einer der Studienautoren. „Das bedeutet, dass Menschen mit Diabetes besonders von entzündungshemmenden Maßnahmen profitieren könnten.“
Implikationen für die Praxis
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Entzündungsmarkern als Biomarker für das Altern. Sie legen nahe, dass Interventionen, die die systemische Entzündung reduzieren – etwa durch Ernährung, Bewegung oder Medikamente – die Gesundheitsspanne verlängern könnten.
Dr. Sarah Johnson, eine Expertin für Alternsforschung an der Harvard Medical School, kommentiert: „Diese Studie liefert wichtige Belege dafür, dass Entzündungen nicht nur ein Begleitphänomen des Alterns sind, sondern aktiv zur Sterblichkeit beitragen. Das eröffnet neue Wege für gezielte Therapien.“
Allerdings warnen die Autoren vor übereilten Schlüssen. Es handele sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Kausalität beweisen könne. Zudem seien die Teilnehmer überwiegend weiß und neuseeländischer Herkunft, was die Übertragbarkeit einschränke.
Dennoch bietet die Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Alterns. Sie zeigt, dass Entzündungen ein modifizierbarer Risikofaktor sind, der mit relativ einfachen Biomarkern gemessen werden kann. Für die Gesundheitsversorgung könnte das bedeuten, dass regelmäßige Entzündungsmessungen Teil der Vorsorgeuntersuchungen werden, um Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren.
Zukünftige Forschung sollte klären, ob eine gezielte Reduktion der Entzündung tatsächlich die Sterblichkeit senkt. Bis dahin bleibt eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, ausgewogener Ernährung und Stressreduktion der beste Weg, um Entzündungen niedrig zu halten.







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