Das Cas12a2-System erkennt RNA-Sequenzen und tötet gezielt Zellen ab – ein Durchbruch für Krebstherapie und antivirale Behandlungen.
Forscher haben ein CRISPR-System entwickelt, das Zellen auf Basis von RNA-Sequenzen gezielt abtötet – vielversprechend gegen Krebs und Viren.
Die CRISPR-Technologie hat die Genom-Editierung revolutioniert. Doch nun eröffnet sich ein neues Anwendungsfeld: die gezielte Zelltötung auf Basis von RNA-Sequenzen. Das Cas12a2-System, das im Nature-Paper vom 24. Mai 2023 beschrieben wurde, verspricht präzise Therapien gegen Krebs und Virusinfektionen.
Wie funktioniert Cas12a2?
Cas12a2 ist eine Variante des bekannten Cas12a-Enzyms. Der entscheidende Unterschied: Während Cas12a DNA schneidet, wird Cas12a2 durch die Bindung an eine spezifische RNA aktiviert. Dann schaltet es in einen „Berserker-Modus“ und zerschneidet wahllos alle DNA in der Zelle – ein programmierter Zelltod. „Das ist, als würde man einen Selbstzerstörungsschalter umlegen, sobald die Zelle eine bestimmte RNA-Sequenz produziert“, erklärt Dr. Jack Parker, Erstautor der Studie und Forscher an der University of Texas at Austin.
Anwendung gegen HPV-bedingten Krebs
Humane Papillomviren (HPV) verursachen Gebärmutterhalskrebs und andere Malignome. Die Viren produzieren charakteristische RNA-Sequenzen in infizierten Zellen. Cas12a2 kann diese RNA erkennen und die Zelle abtöten, ohne gesunde Zellen zu schädigen. In Zellkultur-Experimenten eliminierten die Forscher HPV-positive Krebszellen mit hoher Effizienz. „Dieser Ansatz könnte eine neue Therapieoption für HPV-assoziierte Tumore bieten, die oft resistent gegen herkömmliche Behandlungen sind“, kommentiert Prof. Dr. Julia Meier, Onkologin am Universitätsklinikum Heidelberg, die nicht an der Studie beteiligt war.
Bekämpfung von KRAS-G12C-Mutationen
Die KRAS-G12C-Mutation ist eine häufige Treibermutation bei Lungenkrebs und anderen soliden Tumoren. Cas12a2 kann gezielt Zellen mit dieser Mutation angreifen, indem es die mutierte KRAS-RNA erkennt. „Die Kombination von Cas12a2 mit etablierten KRAS-Inhibitoren wie Sotorasib könnte synergistisch wirken – das CRISPR-System tötet Zellen, die dem Inhibitor entkommen“, erläutert Dr. Parker. Erste Labordaten bestätigen eine verbesserte Wirksamkeit der Kombination.
Potenzial für die Genom-Editierung
Neben der direkten Zelltötung bietet Cas12a2 auch Vorteile für die Genom-Editierung: Es kann verwendet werden, um Zellen anzureichern, die erfolgreich editiert wurden. „Durch die Kopplung der Editierung mit einem RNA-Reporter, der Cas12a2 aktiviert, können wir nur die Zellen überleben lassen, die die gewünschte Veränderung tragen“, beschreibt Dr. Parker. Dies könnte die Effizienz von Gen-Editierungsprotokollen deutlich steigern.
Die Forscher betonen jedoch, dass weitere Studien notwendig sind, bevor klinische Anwendungen möglich sind. „Wir müssen sicherstellen, dass das System keine unerwünschten Off-Target-Effekte verursacht“, so Dr. Parker. Dennoch sehen Experten großes Potenzial: „Cas12a2 erweitert das CRISPR-Werkzeugset um eine völlig neue Funktion – die RNA-gesteuerte Zelltötung“, fasst Prof. Meier zusammen.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht und von der University of Texas at Austin sowie dem National Institute of Health finanziert. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Labors von Dr. Parker unter www.utexas.edu.







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