Eine Studie zeigt, dass ein gesunder Lebensstil im Alter die Lebenserwartung um bis zu 6,92 Jahre steigern kann, unabhängig von genetischen Risiken.
Eine neue Analyse der China Hainan Centenarian Cohort Study belegt: Lebensstilfaktoren sind im hohen Alter entscheidender für die Lebenserwartung als genetische Veranlagung.
Die Frage, wie wir unser Leben verlängern können, beschäftigt die Menschheit seit jeher. Bisher galt die Genetik als ein wesentlicher Faktor für ein langes Leben. Doch eine neue Studie der China Hainan Centenarian Cohort Study (CHCCS) stellt dies in Frage. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Journal of the American Medical Association (JAMA) Network Open, zeigen, dass ein gesunder Lebensstil im Alter von 80 Jahren und darüber die Lebenserwartung um bis zu 6,92 Jahre steigern kann – und das unabhängig von der genetischen Veranlagung.
Die Studie im Detail
Die CHCCS ist eine der größten Kohortenstudien zu Hundertjährigen weltweit. Für die aktuelle Analyse wurden Daten von 3.622 Teilnehmern im Alter von 80 Jahren und älter ausgewertet, die zwischen 2018 und 2021 rekrutiert wurden. Die Forscher untersuchten zwei Hauptfaktoren: den polygenen Risikoscore (PRS) für Langlebigkeit und die modifizierbaren Risikofaktoren (MRFS) wie Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung und körperliche Aktivität.
Die Ergebnisse sind beeindruckend: Teilnehmer mit einem günstigen Lebensstil (niedriger MRFS) hatten ein um 40,7% geringeres Sterberisiko im Vergleich zu denen mit einem ungünstigen Lebensstil (hoher MRFS). Im Gegensatz dazu reduzierte ein günstiger genetischer Score (hoher PRS) das Sterberisiko nur um 13%. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man die Kombination betrachtet: Menschen mit einem ungünstigen Lebensstil und einem günstigen genetischen Score hatten kein signifikant geringeres Sterberisiko als diejenigen mit ungünstigen Werten in beiden Kategorien. Mit anderen Worten: Ein schlechter Lebensstil kann die Vorteile guter Gene zunichtemachen.
Lebensstil als entscheidender Faktor
„Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass es nie zu spät ist, mit einem gesunden Lebensstil zu beginnen“, erklärt Dr. Jian Wang, Hauptautor der Studie und Forscher am Hainan Medical College. „Selbst im hohen Alter können positive Veränderungen in der Ernährung, mehr Bewegung und der Verzicht auf Rauchen die Lebenserwartung deutlich erhöhen.“
Die Studie definierte einen günstigen Lebensstil durch fünf Faktoren: Nichtrauchen, moderater oder kein Alkoholkonsum, regelmäßige körperliche Aktivität, eine abwechslungsreiche Ernährung und ein gesundes Körpergewicht. Teilnehmer, die alle fünf Kriterien erfüllten, lebten im Durchschnitt 6,92 Jahre länger als diejenigen, die keinen dieser Faktoren aufwiesen.
Praktische Tipps für ein langes Leben
Basierend auf den Studienergebnissen empfehlen Experten folgende Maßnahmen:
- Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, wie zügiges Gehen oder Radfahren.
- Ernährung: Eine mediterrane Diät mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten.
- Nichtrauchen: Rauchen ist einer der stärksten Risikofaktoren für vorzeitigen Tod.
- Gewichtskontrolle: Ein Body-Mass-Index zwischen 18,5 und 24,9 gilt als optimal.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann Entzündungen fördern und das Altern beschleunigen.
Dr. med. Sabine Müller, Geriaterin an der Charité Berlin, betont: „Die Studie liefert eine starke Botschaft: Unsere täglichen Entscheidungen haben einen größeren Einfluss auf unsere Lebensspanne als unsere Gene. Das ist ermutigend, denn es bedeutet, dass wir aktiv etwas tun können.“
Fazit
Die CHCCS-Studie zeigt eindeutig, dass ein gesunder Lebensstil im Alter die Lebenserwartung signifikant verlängern kann – unabhängig von der genetischen Veranlagung. Es lohnt sich also, auch im hohen Alter noch gesündere Gewohnheiten anzunehmen. Denn wie die Daten belegen: Es ist nie zu spät, die Weichen für ein längeres und gesünderes Leben zu stellen.







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