Eine neue Studie entkräftet die Sorge, dass GLP-1-Medikamente zu übermäßigem Muskelabbau führen. Die Ergebnisse zeigen: Der Muskelverlust entspricht dem einer normalen Diät.
Eine neue Studie in Cell Reports Medicine zeigt: GLP-1-Präparate verursachen keinen übermäßigen Muskelverlust – die Befunde entkräften eine weit verbreitete Sorge.
Die Sorge, dass GLP-1-basierte Medikamente wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy) oder Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound) zu einem übermäßigen Verlust von Muskelmasse führen, hält sich hartnäckig. Eine aktuelle Studie, die im Fachjournal Cell Reports Medicine veröffentlicht wurde, liefert nun klare Daten: Der Muskelabbau unter diesen Medikamenten ist nicht stärker als bei einer herkömmlichen kalorienreduzierten Diät.
Die Studie: Multiexperimenteller Ansatz
Das Forschungsteam um Professorin Dr. Carla M. Prado von der University of Alberta in Edmonton, Kanada, führte mehrere Experimente durch – sowohl an Mäusen als auch in einer klinischen Pilotstudie mit 30 übergewichtigen Erwachsenen. „Wir wollten genau verstehen, was mit der fettfreien Masse passiert, wenn Menschen GLP-1-Agonisten einnehmen“, erklärte Prado gegenüber Medscape. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts – also das Verhältnis von Fett zu fettfreier Masse – unterschied sich nicht signifikant zwischen der GLP-1-Gruppe und der Kontrollgruppe mit reiner Diät.
Lebermasse als Schlüsselfaktor
Ein überraschender Befund war, dass ein großer Teil der verlorenen fettfreien Masse auf die Leber zurückzuführen ist. „Viele Menschen denken bei fettfreier Masse nur an Muskeln, aber dazu gehören auch Organe wie die Leber“, erläuterte Koautor Dr. John A. Batsis von der University of North Carolina in Chapel Hill in einer Pressemitteilung. „Bei Gewichtsverlust schrumpft die Leber, weil sie Fett und Glykogen verliert – das ist gesund und kein Grund zur Sorge.“ Die Lebermasse nahm in der GLP-1-Gruppe um durchschnittlich 12 % ab, während die Skelettmuskelmasse nur um etwa 4 % sank – ein Wert, der mit einer Standarddiät vergleichbar ist.
Muskelfunktion bleibt erhalten
Neben der Quantität untersuchten die Wissenschaftler auch die Qualität der Muskulatur. Mittels Biopsien und Proteomanalysen fanden sie heraus, dass die Muskelfunktion – gemessen an Kraft und mitochondrialer Gesundheit – unter GLP-1-Therapie nicht beeinträchtigt war. „Im Gegenteil, wir sahen Hinweise auf eine verbesserte mitochondriale Biogenese“, berichtete Dr. Prado. Die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, schienen aktiver zu werden. Dies deckt sich mit früheren Studien, die auf positive Effekte von GLP-1 auf den Zellstoffwechsel hindeuten.
Was bedeutet das für Patienten?
Die Ergebnisse sind beruhigend für alle, die GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion einsetzen. „Die Angst vor Muskelschwund ist unbegründet“, fasst Dr. Batsis zusammen. Stattdessen sollten Patienten und Ärzte den Fokus auf die Verbesserung der Gesamtstoffwechselgesundheit legen. „Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein und regelmäßiges Krafttraining können den Muskelabbau zusätzlich minimieren – das gilt aber unabhängig von der Art der Gewichtsabnahme“, ergänzt Prado.
Fazit: Kein Grund zur Sorge
Die Studie liefert evidenzbasierte Entwarnung: GLP-1-Medikamente führen nicht zu einem disproportionalen Muskelverlust. Der Gewichtsverlust setzt sich ähnlich zusammen wie bei einer Diät. Für die Praxis bedeutet das: Die Medikamente sind ein wirksames Werkzeug im Kampf gegen Adipositas, ohne dass Patienten übermäßigen Muskelschwund fürchten müssen. Weitere Langzeitstudien sind jedoch nötig, um die Effekte über mehrere Jahre zu beobachten.







Schreibe einen Kommentar