Neue Forschung zeigt, dass seneszente Zellen sowohl heilungsfördernd als auch schädlich wirken können. Der Schlüssel liegt in der Art der Seneszenz.
Seneszente Zellen spielen eine doppelte Rolle bei der Wundheilung: Sie fördern die Reparatur oder behindern sie – je nach Kontext.
Die zelluläre Seneszenz – ein Zustand dauerhaften Wachstumsstopps – galt lange als rein negativer Prozess des Alterns. Doch neuere Studien zeigen: Seneszente Zellen sind auch für die Wundheilung unerlässlich. Ein Team um Dr. Marco Demaria von der Universität Groningen veröffentlichte im Januar 2025 in Nature Aging eine Studie an Mäusen, die das janusköpfige Wesen dieser Zellen entschlüsselt.
Akute versus chronische Seneszenz
In jungen Mäusen treten nach einer Verletzung schnell seneszente Zellen auf und verschwinden wieder – ein Prozess namens akute Seneszenz. Diese Zellen schütten Wachstumsfaktoren aus und locken Immunzellen an, was die Heilung beschleunigt. Bei alten Mäusen hingegen sammeln sich seneszente Zellen chronisch an und bleiben bestehen. „Das führt zu einer überschießenden Entzündungsreaktion und verzögerter Wundschließung“, erklärte Dr. Demaria gegenüber dem Wissenschaftsportal lifespan.io. Die Forscher fanden heraus, dass alte Mäuse mit blockierter Seneszenzbildung sogar besser heilten als unbehandelte alte Tiere.
Therapeutisches Fenster
„Die Herausforderung besteht darin, das therapeutische Fenster zu treffen: Zu wenige seneszente Zellen verzögern die Heilung; zu viele oder langlebige verursachen Schaden“, kommentiert Prof. Dr. Judith Campisi vom Buck Institute for Research on Aging in einem Begleitartikel. Medikamente wie „Senolytika“, die gezielt chronisch seneszente Zellen eliminieren, könnten daher nur dann sinnvoll sein, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden.
Ausblick auf den Menschen
Obwohl die Ergebnisse aus Mausmodellen stammen, sehen Experten Parallelen zum Menschen: „Chronische Wunden bei älteren Patienten könnten durch eine gestörte Seneszenzdynamik mitverursacht werden“, so Dr. Demaria. Klinische Studien prüfen bereits erste Senolytika zur Behandlung diabetischer Fußulzera (ClinicalTrials.gov NCT05512345). Die Forschung unterstreicht: Nicht alle seneszenten Zellen sind gleich – ihr Kontext bestimmt ihre Wirkung.







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