Chronische Hypoxie in großer Höhe beschleunigt die Immunalterung, was zu erhöhter Entzündung und Sterblichkeit führt. Eine Studie an tibetischen Bevölkerungen zeigt die Risiken.
Eine neue Studie zeigt, dass das Leben in großer Höhe die Immunalterung beschleunigt und das Sterberisiko erhöht.
Das Leben in großer Höhe wird oft mit einer atemberaubenden Aussicht und einem Gefühl der Ruhe assoziiert. Doch eine neue Studie, veröffentlicht im Journal of Leukocyte Biology, legt nahe, dass die dünne Luft einen versteckten Preis hat: eine beschleunigte Immunalterung.
Die Studie im Detail
Forscher der University of Colorado und der Tibetischen Akademie für Gesundheitswissenschaften untersuchten 200 tibetische Erwachsene, die in Höhen über 3.500 Metern leben. Sie verglichen deren Immunprofile mit 200 Erwachsenen, die in niedrigeren Lagen leben. Die Ergebnisse zeigten, dass die Hochlandbewohner signifikant höhere Spiegel von Entzündungsmarkern wie Interleukin-6 und C-reaktivem Protein aufwiesen. Diese Marker sind typisch für ein gealtertes Immunsystem und werden mit einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung gebracht.
Die Rolle der chronischen Hypoxie
Die Hauptursache für diese beschleunigte Immunalterung ist die chronische Hypoxie – der anhaltende Sauerstoffmangel in großen Höhen. Dr. Tashi Wangmo, leitender Autor der Studie, erklärte in einer Pressemitteilung: „Unsere Daten zeigen, dass chronische Hypoxie das Immunsystem auf eine Weise belastet, die den Alterungsprozess beschleunigt. Dies äußert sich in einer erhöhten Entzündungslast und einer verminderten Fähigkeit, auf neue Infektionen zu reagieren.“ Die Forscher fanden heraus, dass die Telomere der Immunzellen – die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen – bei Hochlandbewohnern kürzer waren, ein Zeichen beschleunigter zellulärer Alterung.
Kontrast mit moderater Höhe
Interessanterweise unterscheidet sich diese Wirkung von den Vorteilen, die moderate Höhen bieten. Studien haben gezeigt, dass Aufenthalte in Höhen zwischen 1.500 und 2.500 Metern die kardiovaskuläre Fitness verbessern und die Immunfunktion kurzfristig stärken können. Die neue Studie unterstreicht jedoch, dass diese Vorteile bei dauerhafter Exposition in extremen Höhen verschwinden. „Es gibt einen Schwellenwert, oberhalb dessen die negativen Effekte der Hypoxie die positiven überwiegen“, sagte Dr. Wangmo.
Implikationen für die Alternsforschung
Die Ergebnisse haben weitreichende Implikationen. Sie legen nahe, dass Umweltfaktoren wie Sauerstoffverfügbarkeit eine wichtige Rolle beim Immunaging spielen. „Diese Studie eröffnet neue Wege für die Forschung, wie wir den Alterungsprozess des Immunsystems verlangsamen könnten, indem wir die Sauerstoffversorgung verbessern oder entzündungshemmende Maßnahmen ergreifen“, kommentierte Dr. Maria Schmidt, Immunologin an der Charité Berlin, die nicht an der Studie beteiligt war.
Praktische Konsequenzen
Für Menschen, die in großen Höhen leben oder arbeiten, könnte dies bedeuten, regelmäßige Gesundheitschecks durchführen zu lassen und entzündungshemmende Lebensmittel in ihre Ernährung aufzunehmen. Auch die Entwicklung von Medikamenten, die die Auswirkungen der Hypoxie abmildern, könnte ein vielversprechender Ansatz sein. Die Studie betont jedoch, dass weitere Forschung nötig ist, um die genauen Mechanismen zu verstehen und gezielte Interventionen zu entwickeln.
Quelle: Wangmo, T., et al. (2023). Chronic Hypoxia Accelerates Immune Aging in High-Altitude Populations. Journal of Leukocyte Biology. Pressemitteilung der University of Colorado Boulder.







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