Eine leichte metabolische Azidose kann selbst bei älteren Menschen mit normaler Nierenfunktion zu Muskelschwund und Gebrechlichkeit führen.
Neue Forschungsergebnisse zeigen: Ein leicht erhöhter Säurespiegel im Blut könnte ein unterschätzter Risikofaktor für körperlichen Abbau im Alter sein.
Gebrechlichkeit (Frailty) ist ein geriatrisches Syndrom, das durch verminderte physiologische Reserven und erhöhte Anfälligkeit für Stressoren gekennzeichnet ist. Während Faktoren wie Entzündungen und oxidativer Stress gut untersucht sind, rückt nun eine weitere Störung in den Fokus: die metabolische Azidose.
Was ist metabolische Azidose?
Die metabolische Azidose bezeichnet eine Störung des Säure-Basen-Haushalts mit erniedrigtem Blut-pH (<7.35) und verminderter Bikarbonat-Konzentration. Im klinischen Alltag wird meist die schwere Form bei Nierenversagen oder diabetischer Ketoazidose beachtet. Doch bereits eine subklinische oder „milde“ Azidose – definiert als Serum-Bikarbonat zwischen 20–23 mmol/l – könnte gesundheitliche Folgen haben.
Studienlage: Zusammenhang mit Frailty
Eine Querschnittsstudie aus dem Jahr 2021 untersuchte über 1.200 ältere Erwachsene (Durchschnittsalter 72 Jahre). Teilnehmer mit Serum-Bikarbonat-Werten unterhalb des Optimalbereichs wiesen eine um etwa das Doppelte erhöhte Wahrscheinlichkeit für Frailty auf – unabhängig von Nierenfunktion und Komorbiditäten.
Eine Längsschnittanalyse aus den USA bestätigte diesen Trend: Über einen Zeitraum von vier Jahren war ein niedrigerer Bikarbonat-Spiegel mit einem stärkeren Rückgang der Handkraft assoziiert.
Mechanismen der Katalyse
Tiermodelle und Zellstudien zeigen mehrere Wege:
- Aktivierung des proteolytischen Ubiquitin-Proteasom-Systems in der Skelettmuskulatur
- Stimulation von Glukokortikoid-Rezeptoren
- Beeinträchtigung mitochondrialer Funktionen
„Azidose wirkt katabol auf den Muskelstoffwechsel“, erklärt Dr. med. Sabine Krause vom Institut für Ernährungsmedizin München in einer aktuellen Pressemitteilung ihrer Einrichtung. „Selbst leichte Verschiebungen können über Jahre hinweg zur Sarkopenie beitragen.“
Therapeutischer Ansatz: Basentherapie?
Sowohl Natriumbikarbonat als auch kaliumreiche Basenvorläufer werden diskutiert. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 kam zu dem Schluss, dass orale Bikarbonat-Gabe die Muskelkraft bei älteren Patienten verbessern kann.
„Wir sollten jedoch nicht nur pharmakologisch eingreifen“, mahnt Prof. Dr. Peter Schmid vom Deutschen Zentrum für Altersforschung (DZFA), zitiert in einer Pressemitteilung seiner Einrichtung vom Januar 2024. „Eine obst- und gemüsereiche Ernährung liefert von Natur aus basische Äquivalente.“
Fazit & Ausblick
Aktuelle Leitlinien empfehlen noch kein routinemäßiges Screening des Säure-Basen-Haushalts bei nicht-nierenkranken Senioren – doch Experten fordern dies zunehmend.
=Weitere Informationen finden Sie auf der Website des DZFA.=
Ob mild acidotisch bedingte Frailty reversibel ist? Erste Interventionsstudien stimmen hoffnungsvoll.







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