Eine Analyse zeigt, dass die aktuellen britischen Gesundheitsrichtlinien zu Bewegung und Proteinzufuhr zu niedrig angesetzt sind, um optimale Gesundheit und Langlebigkeit zu fördern.
Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass die aktuellen Gesundheitsrichtlinien zu wenig Bewegung und Protein empfehlen, um die Gesundheit im Alter zu maximieren.
Die aktuellen Gesundheitsrichtlinien im Vereinigten Königreich konzentrieren sich oft auf Mindeststandards, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Doch eine wachsende Zahl von Experten argumentiert, dass diese Empfehlungen überdacht werden müssen, um die Gesundheitsspanne – die Jahre, die in guter Gesundheit verbracht werden – zu maximieren.
Die Rolle von Bewegung und Protein
Eine kürzlich im Fachjournal Frontiers in Nutrition veröffentlichte Perspektivenarbeit argumentiert, dass die derzeitigen Richtlinien für körperliche Aktivität und Proteinzufuhr nicht ausreichen, um die besten gesundheitlichen Ergebnisse zu erzielen. Die Autoren, darunter Dr. Stuart Phillips von der McMaster University, betonen, dass eine höhere Proteinzufuhr und mehr Bewegung mit einer geringeren Sterblichkeit, verbesserter Muskelkraft und besserer kognitiver Funktion verbunden sind.
„Die derzeitigen Empfehlungen sind darauf ausgelegt, Mangelzustände zu verhindern, nicht aber, um optimale Gesundheit zu fördern“, sagte Dr. Phillips in einer Pressemitteilung der Universität. „Wir müssen unsere Botschaften ändern, um die Menschen zu ermutigen, über das Minimum hinauszugehen.“
Evidenz für höhere Proteinzufuhr
Die empfohlene Tagesdosis für Protein liegt derzeit bei 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Doch Studien zeigen, dass ältere Erwachsene von einer Zufuhr von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm profitieren können, um den altersbedingten Muskelabbau zu verlangsamen. „Die Forschung ist klar: Höhere Proteinmengen unterstützen den Muskelerhalt und die Knochengesundheit“, erklärt Dr. Nanna B. Kristensen von der Universität Kopenhagen in einem Interview mit Science Daily.
Schwangere Frauen benötigen ebenfalls mehr Protein, um das Wachstum des Fötus zu unterstützen. Die derzeitigen Richtlinien berücksichtigen dies jedoch nur unzureichend, so die Autoren der Studie.
Bewegung: Mehr ist besser
Die aktuellen Richtlinien empfehlen mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche. Doch eine Metaanalyse von 2020 im British Journal of Sports Medicine zeigte, dass eine Steigerung auf 300 Minuten pro Woche das Sterberisiko um weitere 20 % senken kann. „Die Dosis-Wirkungs-Beziehung ist klar: Je mehr Bewegung, desto größer der Nutzen“, sagt Dr. Ulf Ekelund von der Norwegian School of Sport Sciences, der an der Studie beteiligt war.
Die Autoren der Perspektivenarbeit fordern daher eine Überarbeitung der öffentlichen Gesundheitsbotschaften, um die Menschen zu ermutigen, ihre körperliche Aktivität zu steigern – insbesondere Krafttraining, das für den Muskelerhalt entscheidend ist.
Implikationen für die öffentliche Gesundheit
Die Überarbeitung der Richtlinien könnte erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. „Indem wir die Messlatte höher legen, könnten wir die Prävalenz von chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz reduzieren“, so Dr. Phillips.
Allerdings warnen die Autoren vor zu drastischen Änderungen auf einmal. „Es geht nicht darum, die Menschen zu überfordern, sondern ihnen zu zeigen, dass sie von mehr profitieren können“, erklärt Dr. Kristensen. Die Umsetzung erfordert eine schrittweise Anpassung der Empfehlungen und gezielte Aufklärungskampagnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuellen Mindeststandards zwar vor Mangel schützen, aber nicht die optimale Gesundheit fördern. Eine Anpassung der Richtlinien für Bewegung und Proteinzufuhr könnte einen bedeutenden Beitrag zur Verlängerung der Gesundheitsspanne leisten.







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