Calcium-Homöostase und Langlebigkeit: Ein vielversprechendes Ziel für Anti-Aging-Interventionen

Calcium-Homöostase und Langlebigkeit: Ein vielversprechendes Ziel für Anti-Aging-Interventionen

Eine Studie zeigt, dass gestörte Calciumhomöostase das Altern beschleunigt und das Antidepressivum Mianserin diesen Prozess bei Mäusen umkehren kann.

Forscher entdeckten, dass eine gestörte Calciumhomöostase das Altern fördert – und ein bekanntes Medikament könnte den Prozess umkehren.

Calcium ist ein zentraler Botenstoff in unseren Zellen und steuert zahlreiche Prozesse von der Muskelkontraktion bis zur Genexpression. Eine neue Studie legt nun nahe, dass die Aufrechterhaltung des Calciumgleichgewichts – die sogenannte Calciumhomöostase – eine Schlüsselrolle für ein langes und gesundes Leben spielen könnte.

Gestörte Calciumhomöostase als Treiber des Alterns

Wissenschaftler um Dr. Elena Schmidt vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln untersuchten, wie sich die Calciumregulation im Alter verändert. In einer Pressemitteilung vom 15. Januar 2025 erklärte Schmidt: „Wir haben festgestellt, dass in alternden Mäusen die Calciumkonzentration im Zytosol dauerhaft erhöht ist, was auf ein Leck im endoplasmatischen Retikulum (ER) zurückzuführen ist.“ Dieses Leck wird durch das Protein S100A6 vermittelt, das wiederum das Enzym PARP1 aktiviert. PARP1 ist bekannt für seine Rolle bei der DNA-Reparatur, doch eine Überaktivierung führt zu Energiemangel und Zelltod.

Mianserin: Ein alter Wirkstoff mit neuer Wirkung

In der Studie, die im Fachjournal „Nature Aging“ veröffentlicht wurde, testeten die Forscher verschiedene Substanzen, um das Calciumleck zu schließen. Dabei stießen sie auf Mianserin, ein seit Jahrzehnten zugelassenes Antidepressivum. „Mianserin blockiert den S100A6-PARP1-Signalweg und stellt die Calciumhomöostase wieder her“, erläuterte Dr. Schmidt. Die behandelten Mäuse zeigten nicht nur eine verlängerte Lebensspanne, sondern auch eine verbesserte Gesundheit – sie waren aktiver, hatten eine dichtere Knochenstruktur und weniger Entzündungsmarker.

Übertragbarkeit auf den Menschen

Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber Experten mahnen zur Vorsicht. „Mäuse sind keine kleinen Menschen“, kommentierte Prof. Dr. Andreas Bergmann von der Universität Zürich in einem Interview mit dem „Deutschen Ärzteblatt“ am 20. Januar 2025. „Bevor wir Mianserin als Anti-Aging-Medikament empfehlen können, müssen die Ergebnisse in größeren Kohorten und letztlich in klinischen Studien am Menschen bestätigt werden.“ Er betonte jedoch, dass die Studie einen wichtigen Mechanismus identifiziert habe, der als Ziel für künftige Therapien dienen könne.

Ausblick: Calcium als Target für Anti-Aging

Die Forscher planen nun, die Rolle von Calciumleckagen in menschlichen Zellen zu untersuchen. „Wir arbeiten an der Entwicklung spezifischerer Inhibitoren, die gezielt den S100A6-PARP1-Weg blockieren, ohne die antidepressiven Effekte von Mianserin zu haben“, so Dr. Schmidt. Sollte dies gelingen, stünde ein völlig neuer Ansatz zur Verlängerung der Gesundheitsspanne zur Verfügung – ohne die Nebenwirkungen von Mianserin.

Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie Grundlagenforschung zu unerwarteten therapeutischen Anwendungen führen kann. Für alle, die sich für gesundes Altern interessieren, bleibt die Calciumhomöostase ein Thema, das es im Auge zu behalten gilt.

Avatar von Lou Pai

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Liyana Parker

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