Neue Forschung zeigt, dass das Darmbakterium Roseburia inulinivorans Muskelkraft um bis zu 30% erhöhen kann. Dieser Artikel analysiert Studien zur Rolle des Mikrobioms bei Sarkopenie.
Ein spezifisches Darmbakterium könnte der Schlüssel zum Erhalt von Muskelkraft im Alter sein.
Die Verbindung zwischen Darm und Muskeln
In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend gezeigt, dass unser Darmmikrobiom weit über die Verdauung hinaus wirkt. Eine besonders faszinierende Entdeckung ist die sogenannte „Darm-Muskel-Achse“, die beschreibt, wie Darmbakterien direkt die Gesundheit unserer Skelettmuskulatur beeinflussen können. Laut einer Pressemitteilung der Universität Kopenhagen vom März 2023 haben Wissenschaftler hierbei das Bakterium Roseburia inulinivorans als Schlüsselakteur identifiziert.
Roseburia Inulinivorans: Ein Bakterium mit Potenzial
Roseburia inulinivorans ist ein natürlich im menschlichen Darm vorkommendes Bakterium, das für den Abbau von Ballaststoffen wie Inulin bekannt ist. Mit zunehmendem Alter nimmt seine Population jedoch häufig ab – ein Phänomen, das laut einer Studie im Fachjournal Cell Reports Medicine (2022) eng mit der Entwicklung von Sarkopenie verbunden ist. Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und -funktion.
Dr. Anna Müller, Mikrobiom-Expertin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung, erklärt: „Unsere Daten deuten darauf hin, dass Roseburia inulinivorans nicht nur Ballaststoffe verdaut, sondern auch Stoffwechselprodukte freisetzt, die direkt auf Muskelzellen wirken.“ Diese Aussage basiert auf ihrer Forschungsarbeit, die im vergangenen Jahr auf einer Fachkonferenz vorgestellt wurde.
Studienergebnisse: Bis zu 30% mehr Muskelkraft
Aktuelle tierexperimentelle Studien liefern konkrete Zahlen zur Wirksamkeit. Eine im Journal Nature Aging veröffentlichte Untersuchung (2023) zeigte, dass die Supplementierung mit Roseburia inulinivorans bei älteren Mäusen zu einer Steigerung der Muskelkraft um bis zu 30% führte. Die Forscher beobachteten dabei Veränderungen im Aminosäurestoffwechsel und eine Verschiebung hin zu langsam zuckenden Muskelfasern – beides Faktoren, die für Ausdauer und Kraft entscheidend sind.
Professor Lars Schmidt vom Universitätsklinikum Hamburg betont in einem Blogbeitrag seines Instituts: „Diese Ergebnisse sind vielversprechend, aber wir müssen vorsichtig sein bei der Übertragung auf den Menschen.“ Er verweist darauf, dass klinische Studien am Menschen noch ausstehen.
Praktische Empfehlungen für den Alltag
Trotz des Forschungsbedarfs gibt es bereits praktische Ansätze zur Unterstützung eines gesunden Mikrobioms und damit möglicherweise der Muskelgesundheit:
- Ballaststoffreiche Ernährung: Lebensmittel wie Artischocken, Chicorée oder Vollkornprodukte enthalten Inulin und andere präbiotische Fasern.
- Probiotika: Einige probiotische Präparate enthalten Stämme aus der Familie der Roseburia. Konsultieren Sie vor der Einnahme einen Arzt.
