Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass die menopausale Hormontherapie bei richtiger Anwendung sicher ist und gesundheitliche Vorteile bieten kann, wie eine dänische Studie mit über 800.000 Teilnehmerinnen belegt.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse revidieren frühere Bedenken zur Sicherheit der Hormontherapie in den Wechseljahren.
Ein Paradigmenwechsel in der Behandlung der Wechseljahre
Die menopausale Hormontherapie (MHT) hat in den letzten Jahrzehnten einen dramatischen Wandel durchlaufen. Während sie einst als Standardbehandlung für Wechseljahresbeschwerden galt, führten Studien wie die Women’s Health Initiative (WHI) aus dem Jahr 2002 zu erheblichen Sicherheitsbedenken und einem Rückgang der Verordnungen. Heute jedoch deuten neue Forschungsergebnisse darauf hin, dass diese Bedenken möglicherweise überbewertet wurden und MHT bei richtiger Anwendung nicht nur sicher sein kann, sondern auch gesundheitliche Vorteile bietet.
Laut einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) vom März 2023 basieren aktuelle Leitlinien auf umfassenderen Daten. „Die pauschale Ablehnung der Hormontherapie ist nicht mehr zeitgemäß“, erklärt Prof. Dr. Petra Stute, Leiterin des Menopausezentrums am Inselspital Bern, in einem Fachartikel auf dem Blog „Frauenärzte im Netz“. „Moderne Studien zeigen differenziertere Ergebnisse, insbesondere wenn die Therapie früh in der Menopause begonnen wird.“
Die dänische Studie: Ein Meilenstein in der Forschung
Eine bahnbrechende Studie aus Dänemark mit über 800.000 Teilnehmerinnen hat wesentlich zu diesem Umdenken beigetragen. Die im Fachjournal „BMJ“ veröffentlichte Forschungsarbeit analysierte nationale Registerdaten von Frauen im Alter von 50 bis 60 Jahren über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen unter MHT ein geringeres Sterberisiko aufwiesen als Nichtnutzerinnen.
Dr. Louise Schierbeck, Hauptautorin der Studie vom Kopenhagener Universitätshospital, betonte in einer Ankündigung zur Veröffentlichung: „Unsere Daten legen nahe, dass eine Hormontherapie bei gesunden Frauen in den frühen Wechseljahren das Mortalitätsrisiko nicht erhöht und möglicherweise sogar senkt.“ Diese Erkenntnisse stehen im Kontrast zu älteren Studien wie der WHI-Studie aus den USA aus dem Jahr 2002.
Aktuelle Leitlinien und Empfehlungen
Medizinische Fachgesellschaften haben ihre Empfehlungen entsprechend angepasst. Die Europäische Menopause and Andropause Society (EMAS) veröffentlichte 2022 aktualisierte Leitlinien auf ihrer Website emas-online.org.
Diese besagen laut einer News-Meldung des Portals: „Hormontherapie bleibt die effektivste Behandlung für vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und sollte individualisiert nach Risikoprofil und Zeitpunkt des Therapiebeginns erwogen werden.“ Ähnlich positioniert sich die DGGG in ihren offiziellen Stellungnahmen.
Gesundheitsspanne und geroprotektive Effekte
Neben der Linderung akuter Beschwerden rücken potenzielle geroprotektive Effekte von MHT zunehmend in den Fokus. Geroprotektion bezieht sich auf Maßnahmen zur Verlangsamung des Alterungsprozesses und zur Verlängerung der Gesundheitsspanne – also der Jahre guter Gesundheit.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Östrogen positive Auswirkungen auf kardiovaskuläre Gesundheit Knochenstoffwechsel und kognitive Funktion haben kann wenn es zeitnah zum Beginn der Menopause verabreicht wird.
Praktische Implikationen für Patientinnen
Für Frauen bedeutet dieser Wandel mehr individuelle Beratungsmöglichkeiten. Experten raten zu einer gründlichen Nutzen-Risiko-Abwägung gemeinsam mit dem behandelnden Gynäkologen.







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