Forschungsergebnisse zeigen, dass senolytische Therapien mit Dasatinib und Quercetin Entzündungen reduzieren und die Nierenfunktion bei Mäusen verbessern könnten.
Neue Studien deuten darauf hin, dass senolytische Therapien einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung diabetischer Nierenschäden bieten könnten.
Die Herausforderung diabetischer Nierenerkrankungen
Diabetische Nephropathie bleibt eine der häufigsten Komplikationen bei Diabetes mellitus und führt weltweit zu Millionen von Dialysepatienten. Trotz Fortschritten in der Blutzuckerkontrolle und Blutdruckmanagement suchen Forscher nach neuen Therapieansätzen, die den zugrunde liegenden zellulären Alterungsprozessen entgegenwirken.
Zelluläre Seneszenz als Schlüsselfaktor
Zelluläre Seneszenz beschreibt einen Zustand, in dem Zellen ihre Teilungsfähigkeit verlieren, aber nicht absterben. Diese „alternden“ Zellen sammeln sich im Gewebe an und setzen entzündungsfördernde Botenstoffe frei – ein Phänomen, das als Seneszenz-assoziierte sekretorische Phänotyp (SASP) bekannt ist. Bei diabetischer Nierenerkrankung tragen diese seneszenten Zellen maßgeblich zu Entzündungen und Gewebeschäden bei.
Dr. James Kirkland von der Mayo Clinic erklärt in einer Pressemitteilung seiner Institution: „Seneszente Zellen sind wie schlechte Nachbarn – sie stören die normale Funktion gesunder Zellen in ihrer Umgebung.“ Seine Forschung konzentriert sich seit Jahren auf Strategien zur Beseitigung dieser schädlichen Zellen.
Durchbruch in der präklinischen Forschung
Aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2026 zeigen vielversprechende Ergebnisse für senolytische Therapien. In einer Studie an Mäusen mit diabetischer Nierenerkrankung führte die Kombination von Dasatinib (ein Krebsmedikament) und Quercetin (ein pflanzliches Flavonoid) zu signifikanten Verbesserungen.
Laut einem Bericht auf Fight Aging aus dem Jahr 2026 zeigten die behandelten Tiere reduzierte Entzündungsmarker im Nierengewebe und eine verbesserte Filtrationsfunktion. Die Autoren der Originalstudie betonen in ihrer Veröffentlichung: „Unsere Daten legen nahe, dass die gezielte Beseitigung seneszenter Zellen nicht nur altersbedingte, sondern auch durch Stoffwechselstörungen verursachte Organschäden lindern kann.“
Mechanismus der senolytischen Wirkung
Dasatinib hemmt bestimmte Signalwege in seneszenten Zellen, während Quercetin deren Überlebensmechanismen stört. Zusammen induzieren sie den programmierten Zelltod spezifisch in alternden Zellen ohne gesunde Nachbarzellen zu schädigen.
Professor Judith Campisi vom Buck Institute for Research on Aging erläutert in einem Interview mit Nature Medicine: „Der Vorteil von Senolytika liegt in ihrer Selektivität. Im Gegensatz zu herkömmlichen Anti-Inflammatorika beseitigen sie nicht nur Symptome sondern direkt die Ursache der chronischen Entzündung.“
Klinische Perspektiven und Herausforderungen
Erste klinische Studien am Menschen laufen bereits. Eine Phase-1-Studie an Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose – einer anderen Erkrankung mit starker Seneszenzbeteiligung – zeigte vielversprechende Sicherheitsprofile für intermittierende Dasatinib/Quercetin-Gaben.
Auf einer Fachkonferenz der American Society of Nephrology berichteten Forscher kürzlich über Planungen für Studien speziell bei diabetischer Nephropathie. Allerdings warnen Experten vor voreiligen Erwartungen: „Wir müssen noch viel über optimale Dosierungsschemata und Langzeitwirkungen lernen“, so Dr. Miranda Ortega vom National Institute on Aging in einer Stellungnahme gegenüber Science Translational Medicine.
Lebensstilfaktoren als unterstützende Maßnahme
Interessanterweise wirken einige Lebensstilinterventionen ebenfalls senomorph – sie reduzieren die Bildung neuer seneszenter Zellen. Kalorienrestriktion, regelmäßige Bewegung und bestimmte Nahrungsmittel wie Beeren (reich an natürlichen Flavonoiden) können den Alterungsprozess auf zellulärer Ebene verlangsamen.
Aber wie betont Dr. Kirkland: „Lebensstiländerungen können die Akkumulation seneszenter Zellen verlangsamen aber einmal vorhandene Schäden nicht rückgängig machen. Hier kommen potenziell Senolytika ins Spiel.“
Ausblick für Patienten
Sollten sich die bisherigen Ergebnisse in größeren klinischen Studien bestätigen könnte dies einen Paradigmenwechsel in der Behandlung chronischer Nierenerkrankungen bedeuten. Statt rein symptomatisch zu behandeln würde man direkt einen fundamentalen Alterungsprozess adressieren.






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