Analytische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Parodontitis und Atherosklerose mit Fokus auf Entzündungsmechanismen und praktischen Präventionsmaßnahmen.
Chronische Zahnfleischentzündungen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen – ein Blick auf die wissenschaftlichen Zusammenhänge.
Die wissenschaftliche Basis: Wie Parodontitis das Herz gefährdet
Die Verbindung zwischen Zahnfleischerkrankungen und kardiovaskulären Problemen ist kein neues Konzept in der medizinischen Forschung. Bereits 2012 veröffentlichte die American Heart Association eine umfassende Stellungnahme im Journal ‚Circulation‘, die den aktuellen Forschungsstand zusammenfasste. Die Expertenkommission kam zu dem Schluss, dass zwar keine kausale Beziehung nachgewiesen werden konnte, aber zahlreiche Studien auf einen signifikanten Zusammenhang hinweisen.
Dr. Peter Lockhart vom Carolinas Medical Center in Charlotte, Vorsitzender der Expertengruppe, erklärte damals in einer Presseerklärung: ‚Studien zeigen konsistent eine Assoziation zwischen Parodontitis und kardiovaskulären Erkrankungen. Die Stärke dieser Assoziation ist vergleichbar mit anderen etablierten Risikofaktoren.‘ Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung des Themas für die präventive Medizin.
Direkte Mechanismen: Wenn Bakterien wandern
Ein zentraler Mechanismus bei der Verbindung von Parodontitis und Atherosklerose ist die sogenannte Bakteriämie. Bei entzündetem Zahnfleisch können Bakterien aus den parodontalen Taschen in die Blutbahn gelangen. Besonders problematisch sind dabei bestimmte Keime wie Porphyromonas gingivalis, die nicht nur lokal Schaden anrichten.
Forschungsergebnisse aus dem Journal of Dental Research zeigen, dass diese Bakterien direkt an der Bildung atherosklerotischer Plaques beteiligt sein können. Sie wurden in arteriellen Ablagerungen nachgewiesen und können dort weitere Entzündungsprozesse auslösen. Dieser direkte Weg erklärt teilweise, warum Patienten mit schwerer Parodontitis ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko für Herzinfarkte haben können.
Indirekte Wege: Systemische Entzündung als Brücke
Neben dem direkten Eindringen von Bakterien spielt die systemische Entzündungsreaktion eine entscheidende Rolle. Chronische Zahnfleischentzündungen führen zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie C-reaktivem Protein (CRP), Interleukinen und Tumornekrosefaktor-alpha.
Diese Substanzen gelangen in den gesamten Kreislauf und können zur Endotheldysfunktion beitragen – einer frühen Veränderung bei der Entwicklung von Atherosklerose. Das Endothel ist die innere Auskleidung der Blutgefäße und spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation des Gefäßtonus und der Gerinnung.
Professor Thomas Münzel vom Universitätsklinikum Mainz erklärt in einem Fachbeitrag für die Deutsche Herzstiftung: ‚Die bei Parodontitis erhöhten Entzündungswerte schädigen das Endothel ähnlich wie andere klassische Risikofaktoren. Dies kann den Prozess der Arterienverkalkung beschleunigen.‘
Praktische Prävention: Mundhygiene als Herzensangelegenheit
Die gute Nachricht ist: Die meisten dieser Risiken lassen sich durch konsequente Mundhygiene reduzieren. Regelmäßiges Zähneputzen allein reicht jedoch oft nicht aus gegen Parodontitis.
Experten empfehlen folgende Maßnahmen:
- Tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide
- Professionelle Zahnreinigungen mindestens zweimal jährlich
- Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt zur Früherkennung
