Forschungsergebnisse identifizieren FOXF2 und TIE2 als Schlüsselgene bei zerebraler Mikroangiopathie, einer Hauptursache für Schlaganfall und Demenz. Der Wirkstoffkandidat AKB-9778 zeigt Potenzial zur TIE2-Aktivierung.
Neue Studien zeigen: Genetische Faktoren wie FOXF2 und TIE2 spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Hirngefäßerkrankungen.
Die unterschätzte Gefahr: Zerebrale Mikroangiopathie
Zerebrale Mikroangiopathie (cSVD) ist eine Erkrankung der kleinen Blutgefäße im Gehirn, die laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zu etwa 20% aller Schlaganfälle und einem signifikanten Anteil an Demenzerkrankungen beiträgt. Oft bleibt sie lange unentdeckt, bis schwere neurologische Auswirkungen auftreten.
FOXF2 und TIE2: Schlüsselgene im Fokus der Forschung
Aktuelle Studien haben zwei Gene ins Zentrum gerückt: FOXF2 und TIE2. Wie in einer Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) vom Oktober 2023 berichtet wurde, hat ein internationales Forscherteam unter Leitung von Prof. Dr. Martin Dichgans gezeigt, dass Mutationen im FOXF2-Gen direkt mit einem erhöhten Risiko für cSVD verbunden sind. „FOXF2 reguliert die Integrität der Blut-Hirn-Schranke“, erklärt Prof. Dichgans in der LMU-Veröffentlichung. „Bei Dysfunktion kommt es zu Durchlässigkeit und damit zu Schäden an den Hirngefäßen.“
Parallel dazu rückt das TIE2-Gen in den Blickpunkt. TIE2 ist ein Rezeptor auf Endothelzellen – jenen Zellen, die die Innenseite der Blutgefäße auskleiden. Seine Aktivierung stärkt die Gefäßstabilität. Dr. Anna Köhler vom Max-Planck-Institut für neurologische Forschung betont: „TIE2-Dysfunktion führt zu einer Schwächung der Gefäßwände, was Mikroblutungen und Ischämien begünstigt.“ Diese Erkenntnisse basieren auf Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wie ‚Nature Neuroscience‘.
AKB-9778: Ein Hoffnungsträger in der Therapieentwicklung
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Wirkstoffkandidat AKB-9778 an Bedeutung. Wie das Unternehmen Aerpio Pharmaceuticals in einer Pressemitteilung bekannt gab, handelt es sich um einen kleinen Molekül-Aktivator von TIE2. In präklinischen Studien konnte gezeigt werden, dass AKB-9778 die TIE2-Signalwege verstärkt und so die Gefäßfunktion verbessert. „AKB-9778 hat das Potenzial, den Krankheitsverlauf bei cSVD zu verlangsamen“, so ein Sprecher des Unternehmens in der Ankündigung.
Klinische Studien laufen bereits: Eine Phase-II-Studie untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit bei Patienten mit diabetischer Retinopathie – einer Erkrankung mit ähnlichen vaskulären Mechanismen – was Rückschlüsse auf cSVD-Anwendungen ermöglicht.
Prävention durch Lebensstil: Frühes Handeln ist entscheidend
Trotz dieser vielversprechenden Ansätze bleibt Prävention zentral. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt regelmäßige Bewegung – mindestens 150 Minuten pro Woche – sowie eine ausgewogene Ernährung reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zur Stärkung der Gefäßgesundheit.
Bluthochdruckkontrolle ist laut Experten wie Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft besonders wichtig: „Hypertonie ist ein Hauptrisikofaktor für cSVD; konsequente Behandlung kann das Risiko um bis zu 40% senken.“
Zudem weisen Studien darauf hin, dass Rauchverzicht und Stressmanagement signifikant zur Vorbeugung beitragen.
Ausblick: Personalisierte Medizin als Zukunftsvision
Die Identifizierung von FOXF2 und TIE6 als Targets markiert einen Schritt hin zu personalisierten Therapien.
„Wir arbeiten daran, Biomarker zu entwickeln“, sagt Prof. Dichgans.
Langfristig könnten Gentests Risikopatienten früh identifizieren.
Zusammenfassend bietet die Forschung neue Hoffnung:
Durch gezielte Interventionen lässt sich möglicherweise nicht nur cSVD behandeln sondern auch kognitive Beeinträchtigungen verhindern.







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